Nächster Halt: Portugal

12.11.2021

Vor 9 Monate habe ich hier den letzten Beitrag geschrieben. Ich ging mit unseren Auswanderungsplänen schwanger. Nachdem unsere Planung fürs 2022 konkretere Formen  angenommen hatte, versuchten wir  die Dinge aufzugleisen. 

Oft hatte ich während dieser Zeit das Gefühl, dass unser Leben stagniert und uns der Alltag an der Umsetzung hindert. Phasenweise wusste ich nicht, wie es weitergehen kann:

  • Corona verhinderte unsere Suche nach einem neuen Wohnsitz in Portugal 
  • meine Online-Projekte brachten Einnahmen; doch trotz intensiver Arbeit war es nicht genug, um mich über Wasser zu halten.

Im Rückblick ist klar: Antonio und ich haben in dieser Zeit der "Schwangerschaft" viel geschafft. Merken tun wir das erst jetzt. 

Der Wendepunkt

Im Mai entschied ich: so kann es finanziell nicht weitergehen. Wenn Corona all unsere finanziellen Reserven auffrisst, sind die Auswanderungspläne bald nicht mehr umsetzbar.

Wie im letzten Blogbeitrag geschrieben: ich hatte wenig Lust auf einen Job in einem Unternehmen. Ich befürchtete, dass dadurch das was mir wichtig ist, keinen Platz mehr im Leben hat (siehe meine Big Five).

Doch eines Abends im April fragte ich mich: "Wieso habe ich NICHT das Gefühl, meinen Zielen untreu zu werden, wenn ich wochenlang bei Antonio bin, obwohl ich nichts Besonderes tue?" 

Die Antwort überraschte mich selbst: das Kochen war der Grund. Für meine vegane Kochkurs-Website probierte ich stundenlang neue Rezepte aus und überraschte mich und Antonio mit diversen schönen und eigentümlichen Gerichten. Die genossen wir auf dem kleinen Balkon in der Mittagssonne.

All dies entsprach ganz meinem persönlichen Ziel Neues auszuprobieren und Schönes ins Leben zu bringen - in meines und in das anderer.

Bananen-Avocado-Schokocreme - eines der vielen ausprobierten Rezepte
Bananen-Avocado-Schokocreme - eines der vielen ausprobierten Rezepte

Dank dieser Erkenntnis setzte ich mich an den Computer und schaute mich nach einer Stelle in der Küche um - und wurde fündig.

Ein Sommer im Wallis

Bei der ersten Bewerbung entschied sich der potentielle Arbeitgeber im letzten Moment doch noch für jemand anderes, doch bei der zweiten klappte es!  

Ohne mich vorgestellt zu haben, bekam ich einen Vertrag für die Sommersaison als Küchenhilfe - im Restaurant Riederstübli in Gasenried (Nähe Grächen/Visp).

Meinem Chef - mit dem sich die Zusammenarbeit ausgesprochen angenehm gestaltete - half ich Heidelbeerkuchen, Käseschnitten und Walliserteller unter das Schweizervolk zu bringen. Auch für den Abwasch war ich zuständig - genau wie ich es mir gewünscht hatte. Da es die letzte Saison vor der Pensionierung meines Chefs war, kamen viele Gäste zu einem Abschiedsbesuch vorbei und wir hatten enorm viel zu tun.

Aber es gelang mir gut mit der Anstrengung umzugehen. In dieser schönen Umgebung fand ich einen Lieblingsplatz den ich morgens oft besuchte. Da hatte ich Ruhe, Sonne und konnte leicht für Entspannung, Ruhe und Bewegung in der Freizeit sorgen.

Berge von Geschirr in den Walliserbergen

An manchen Tagen gab es im Restaurant Riederstübli so viel Essen zuzubereiten, dass ich keine Zeit zum Abwaschen fand. Das schmutzige Geschirr türmte sich hoch und wir waren kaum mehr arbeitsfähig: die Arbeitsfläche war mit schmutzigem Geschirr überstellt, Schnitzel waren gebraten, die Pommes knusprig und die Gäste sassen vor ihrem aufgedeckten Tisch, aber bei uns in der Küche oder im Service gab es keine sauberen Messer, Teller, Coupegläser oder Glacelöffel mehr! 

mein (all-)täglicher Geschirrberg
mein (all-)täglicher Geschirrberg

Aber ich war zufrieden mit dieser Situation. Immer wieder dachte ich an die Zeit als Projektleiterin zurück in der ich oft darunter gelitten habe, das die viele Arbeit oft nur wenig Sichtbares hinterliess. Hier im Restaurant freute ich mich über die handfesten Aufgaben. Egal zu welcher Höhe der Geschirrberg über Mittag wuchs, gegen 17 Uhr war er nicht mehr da. 

Eigentlich könnte ich das noch längere Zeit tun, fand ich. Also entschied ich mir auch für den Winter 21/22 eine Stelle in der Küche zu suchen. Derweil bereitete Antonio sein 10-monatiges Sabbatical vor, das er fürs 2022 bei seinem Arbeitgeber beantragt hatte.

Aus der Notlösung entsteht ein Masterplan

Der Personalmangel in der Gastronomie ist derzeit sehr gross, deshalb musste ich auch diesmal nur drei Bewerbungen schreiben, bis ich zu einem neuen Vertrag kam. Ich bekam auf den 1.12.21 eine Anstellung im Catrina Lodge, das zum Catrina Resort in Disentis gehört. Diese Stelle erfüllt alle Kriterien, die mir wichtig waren und in dieser Bergwelt mit Weitblick fühlte ich mich sofort wohl.

Sprungbrett Saisonjob

Das Unternehmen zeigte bald auch Interesse an Antonios Arbeitskraft. Wir machten nach dem Saisonende eine Woche Ferien in Sedrun, so dass Antonio sich die Gegend anschauen und zu einem Schnuppertag gehen konnte. 

Teil des Ferienprogrammes: Wanderung zur Hexenplatte
Teil des Ferienprogrammes: Wanderung zur Hexenplatte

So kam er ohne grosse Schwierigkeiten, für ein paar Wochen zu einer Teilzeit-Anstellung in der Haustechnik. Ideal: denn hat er sich erst mal an das Schweizerdeutsch gewöhnt und verfügt er über ein erstes schweizerisches Arbeitszeugnis und eine gute Referenz, dann stehen ihm bald viele neue Möglichkeiten offen.

Wir erkannte: Saisonjobs wie diese könnten dafür sorgen, dass wir in Portugal unser finanzielles Auskommen haben und dennoch viele Wochen im Jahr Zeit haben, um Dinge zu tun, die wir in normalen 100%-Jobs kaum verwirklichen könnten (reisen, schreiben, wandern und meine digitalen Projekte). 

Auch die geplante Grand Tour de Suisse (siehe Blogbeitrag Ausblick 2020) können wir - wie schon in den vergangenen Monaten -  immer dann weiter verfolgen, wenn wir wieder eine Saison in der Schweiz arbeiten. 

Gepackte Koffer für die Reise durch das östliche Portugal

Doch bevor es nach Disentis geht, werden wir - sofern Corona das nicht verhindert - am 27.11.21 nach Faro reisen und von da aus in den Norden von Portugal reisen.

Wir suchen ein kleines und günstiges Zuhause ca. ab April 2022. Dafür wollen wir uns den ganzen Osten von Portugal näher ansehen. Wir wollen uns vom Süden Richtung Norden bewegen, die Zugverbindungen verlaufen aber meist Westen nach Osten. Deshalb haben wir uns für die Reise mit dem Auto entschieden.

Einige Dörfer und Städtchen sind bereits eingeplant; unter anderem möchte ich Antonio gerne zeigen, wo ich während meines Corona-Aufenthaltes in Portugal in Faro gewohnt habe und wenn immer möglich, möchte ich im hohen Norden mein Lieblingsstädtchen Torre de Moncorvo besuchen.

Wir wissen: es ist ein Glücksfall, wen wir in den 1-2 Wochen die uns zur Verfügung stehen, gleich das Richtige finden. Aber wir werden einfach offen auf das Neue zugehen und das Beste hoffen. Schliesslich steht auf meinem Schlüsselanhänger "Glückskind". Zwar etwas verwaschen - gilt aber trotzdem.

Auf unsere Reise durch Portugal nehme ich euch im nächsten Blogbeitrag natürlich mit!